4 Irrtümer über kommunale Klimaanpassung

//4 Irrtümer über kommunale Klimaanpassung

4 Irrtümer über kommunale Klimaanpassung

Das Wort “Klima” ist in den letzten Jahren zu einem regelrechten Buzzword geworden. Während steigende Meeresspiegel, extreme Wetterereignisse und schmelzende Gletscher eine beunruhigende, aber auch etwas vage Bedrohung darstellen, entwickelt sich langsam eine weitere Notwendigkeit: Klimaanpassung, ein Wort, das deutlich seltener fällt. Schnell gebildete Meinungen sind deswegen ganz normal, aber wie viel davon ist auch korrekt?

Denn Klimaanpassung ist nicht

1. … äquivalent zu Klimaschutz

Klimawandel, Klimaschutz, Klimaanpassung – alles dasselbe? Nicht ganz. Der Klimaschutz umfasst all die Maßnahmen zur Abschwächung oder Aufhaltung der globalen Erderwärmung. Er packt das Problem sozusagen bei der Wurzel. Beispielsweise gehört dazu die Stilllegung von alten Kraftwerken oder ein Verbot von Verbrennungsmotoren.
Klimaanpassung hingegen reagiert auf die Konsequenzen der Erderwärmung, die nicht mehr oder nur noch schwierig vermeidbar sind. Es werden Risiken frühzeitig erkannt und potentielle Schäden präventiv begrenzt oder gemildert. Darunter fiele beispielsweise der Bau von Deichen zum Schutz der Bevölkerung vor klimawandelbedingten Überflutungen.

Nicht gleichbedeutend, aber gleich bedeutend

Aber selbst wenn die Begriffe nicht identisch sind, werden sie dennoch beide täglich wichtiger. Außerdem greifen sie an vielen Stellen synergisch ineinander – Wiederaufforstungen beispielsweise wirken sich nicht nur positiv auf den CO2-Spiegel aus, sondern stellen auch eine Nutzungsmöglichkeit für von Hitzewellen erodierte Flächen dar.

2. …. irrelevant

Aber reicht dann nicht Klimaschutz aus? Und wie kann mein kleines Dorf mit 500 Einwohnern da Verantwortung tragen? Ist das nicht eher was für die da oben? Und wie drängend kann das Ganze schon sein – ich hab jedenfalls noch keine Wüstenlandschaft auf unserer Hauptstraße gesehen, und machen zwei Grad wirklich einen so großen Unterschied?

Die Zwischenzeit moderieren

All dies sind absolut valide Fragen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind nicht jederzeit an der Einzelperson spürbar. Und das Wort, das wieder und wieder fällt, ist Klimaschutz, nicht Klimaanpassung. Doch Klimaschutz allein reicht nicht! Denn er packt das Problem bei der Wurzel, das ist wahr – doch was passiert in den Jahren, bis diese Wurzel gezogen ist?
In Berlin wird in Zukunft ein bis zu 18-prozentiger Niederschlagsanstieg und ein Temperaturanstieg von bis zu 3,2 Grad erwartet. Das sind bisher nur Zahlen, die alleinstehend nichts sagen. Was bedeuten diese Zahlen unmittelbar? Nur wenige Beispiele: Gefährdung und Erkrankung besonders von alten Menschen, chronisch kranken Menschen und Kindern durch Hitzewellen . Neue Krankheitserreger, die in dem neuen Klima überleben können.  Gesteigerter Wasserbedarf. Verlust von Stadtgrün. Überflutete U-Bahn-Schächte.
All diese Gefahren bestehen selbst bei einer aktiven Klimaschutzpolitik!  Es genügt nicht, auf die spontane Anpassungsfähigkeit der Stadt zu hoffen – aktive Adaption ist notwendig.

Überflutung

3. …unbezahlbar

Die Installation von anpassenden Maßnahmen, die Pflege neuer Einrichtungen und Konzepte  – all dies verlangt zeitliche und finanzielle Investition. Aus diesem Grund schrecken insbesondere kleinere Kommunen manchmal vor dem Wort “Klimaanpassung” zurück. Diese Sorge ist aber zum Glück unbegründet.  Es ist nur ein weiteres Plus, dass eine gut installierte und unterhaltene Klimaanpassungsstrategie langfristig Geld einspart!
Die EU schätzt die Höhe der klimabedingten Schäden um 2020 auf jährlich 20 Mio. Euro, 2080 dann bis zu 2.500 Mio – ein Versäumnis einer Anpassung wird sich also teuer bezahlt machen. Wie eine Studie des Umweltbundesamtes belegt, gibt es bereits eine Reihe von vergleichsweise günstigen Anpassungsmaßnahmen. Dachbegrünung beispielsweise kühlt nicht nur Innenräume, sondern verringert langfristig stark das Sanierungsbedürfnis der Dächer, wodurch es sich schon allein darüber nach wenigen Jahren finanziell lohnt. Analysen in Toronto zeigten beispielsweise eine direkte Verbindung zwischen einer gut eingesetzten Dachbegrünung und einen starken Rückgang  von hitzebedingten Todesfällen – laut Studie eröffnet das ein Nutzenvolumen von 4 – 8 Mio. Euro.

Letztendlich lohnenswert

Zweifellos gibt es auch teurere Maßnahmen mit weniger attraktivem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Die Auslegung des Stromleitungsnetz zur Vorbereitung auf Extremwetterereignisse beispielsweise würden im Schnitt eine Million pro Jahr kosten. Doch einerseits wird die Anpassung im Hinblick auf die steigenden Schadenskosten immer drängender. Außerdem ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis unterm Strich positiv und langfristig rentabel.

4. …undurchführbar

Zur Klimaanpassung gibt es Maßnahmen wie Sand am steigenden Meeresspiegel. All das auf einmal durchzuführen, muss überwältigend wirken.
Doch selbst geringfügige Anpassungen können bereits eine hohe Auswirkung auf die Lebensqualität und die Sicherheit der Bürger haben. Viele Städte und Initiativen gehen mit kleinen, aber positiven Erfolgsbeispielen voran. Die Stadt Kamen verlangsamte auf ökologische Art und Weise den Wasserabfluss am Heerener Mühlbach, um Überschwemmungen vorzubeugen. In Bonn wurden innerstädtische, vorher versiegelte Flächen begrünt. Arnsberg dehnte vier kleinere Gewässer aus, damit diese bei Starkregen mehr fassen können. In Berlin wurde der Trinkwasserbrunnen am Vinetaplatz wieder in Betrieb genommen. Wuppertal rüstete seine Feuerwehrwagen mit Allradantrieb und Stromaggregaten auf, um gegen Extremwetterereignisse gewappnet zu sein.
Niemand erwartet, dass Sie den Klimawandel eigenhändig stoppen. Wir von GreenAdapt unterstützen Sie gern beim Prozess der Klimaanpassung  – denn sogar solche simplen, effektiven Maßnahmen tragen einen Teil zu einer sicheren Zukunft bei.

2018-03-09T09:54:45+00:00

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